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Von Kragujevac nach Pitesti - eine Reise durch die Schluchten des Balkan

"In den Schluchten des Balkan" so nennt Karl May den Band 4 seiner gesammelten Werke. Als Kind hat man so etwas gelesen; aber wer von uns war denn schon mal dort? Ich gebe zu, dass Karl May's Erzählungen etwa 300 km südlich von den Schluchten, die ich gesehen habe, spielen; aber die Landschaft des Eisernen Tors ist so schön, dass ich sie hier ein wenig beschreiben möchte. Und, obwohl die meisten Bilder mit meinem Smartphone gemacht wurden, zeigen sie doch ein wenig von der eindrucksvollen Landschaft.

Ich hatte geschäftlich in Kragujevac in Serbien zu tun und musste von dort nach Pitesti in Rumänien kommen. Üblicherweise fährt man dazu von Kragujevac nach Belgrad, nimmt dort einen Flug nach Bukarest und fährt dann nach Pitesti. Das dauert einen Tag und man muss auch zur richtigen Zeit am Flughafen sein, so dass ich mich entschied, mit meinen Kollegen, die von Pitesti mit dem Auto gekommen waren, zurückzufahren. Man hatte mich schon gewarnt, dass diese Fahrt 7-9 Stunden dauern würde.

So weit zur Fahrt; aber fangen wir erst einmal mit dem Ausgangsort an.

Weiterführendes ...

Wikipedia: Kragujevac

City of Kragujevac (english, serbian)

Fiat Fiat eröffnet modernstes Automobilwerk in Serbien

Zastava Logo

Kragujevac

Kragujevac ist mit 150.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt in Serbien. Kragujevac ist das Zentrum der Serbischen Automobilindustrie. Früher wurden dort der Zastava und der Jugo gebaut. Seit 2008 ist Fiat dort aktiv, und heute, im Jahr 2012 läuft gerade die Produktion des Fiat 500 L an.

Ich war also in Belgrad gelandet, nach Kragujevac gefahren und in einem kleinen Hotel in der Nähe einer orthodoxischen Kathedrale angekommen. Von Kragujevac selbst habe ich nicht sehr viel mitbekommen; außer dass mir aufgefallen ist, dass es dort sehr ärmlich ist. Trotzdem sind viele Neubauten zu erkennen, vielleicht auch im Zusammenhang mit der neu aufgebauten Automobilindustrie.

Der Weg bis zur Donau

Wir sind so gegen 14:30 in Kragujevac losgefahren, zur Autobahn Richtung Belgrad und haben diese dann bei Mala Krsna wieder verlassen, in Richtung Donau. Bei der Hafenstadt Veliko Gradiste trifft man dann auf die Donau. Der erste Blick auf den Fluss ist schon beeindruckend: die Donau ist dort richtig breit. Meine Kollegen sagten mir etwas von einem Kilometer.

Der Nationalpark Djerdap

Kaum hat man Veliko Gradiste hinter sich gelassen, wird die Donau schmäler, die Hügel türmen sich zu Felsen auf; wir sind in den Schluchten des Nationalparks Djerdap. Djerdap bedeutet übersetzt Eisernes Tor und ist der Donaudurchbruch durch die südlichen Karpaten. Der Nationalpark ist laut Wikipedia die größte Flußklippenlandschaft Europas. Er erstreckt sich entlang der Donau von Golubac bis Tekija. Ganz in die Felsenlandschaft integriert erhebt sich die Festung Golubac, eine mittelalterliche Festung, die erst im 19. Jahrhundert ihre strategische Bedeutung als Verteidigungs- und Grenzposten verlor. Bilder zu der Festung von Golubac findet man massenweise im Internet; ich habe halt aus dem fahrenden Auto einen Schnappschuss versucht. Direkt hinter der Festung ist auch dann die schmalste Stelle mit ca. 150 m. Laut Wikipedia ist die Donau hier 85 m tief, was Weltrekord für eine Flusstiefe ist.

Die Felsen türmen sich jetzt immer bedrohlicher auf, und dann liegen plötzlich handballgroße Steine auf der Straße: Steinschlag, obwohl die Felsen durch Drahtnetze gesichert sind. Und wenn man dann auf die Straße schaut, sieht man die Ausbesserungen, die irgendwie so aussehen, als ob dort größere Felsbrocken heruntergefallen wären.

Inzwischen sind wir durch Donji Milanovac gefahren, eine Kleinstadt, in der es auch etwas Tourismus gibt. Auf einmal geht es über eine Brücke und ich dachte schon, dass wir jetzt in Rumänien wären, aber wir sind nur über einen kleinen Seitenarm der Donau gefahren. In den Bildern links sieht man die Flusslandschaft von der Mitte der Brücke her fotografiert.

Weiter geht es durch Golubinje zu einer Stelle, wo der Fluss sich zwischen den Felsen durchgegraben hat. An dieser Stelle ist die Donau noch einmal ganz schmal. Ich habe versucht, die Landschaft durch die Büsche hindurch auf den beiden rechten Fotos festzuhalten.

Ein paar Kilometer weiter wird es noch einmal malerisch und wir kommen an der Statue des Dakerkönigs Decebalus vorbei. Diese Statue ist mit 40 Metern die höchste Felsskulptur Europas. Da es schon Abend war, ist die Skulptur auf den Foto gerade noch zu erkennen; im Intenet finden sich aber gute Bilder dazu.

Dann wird die Donau wieder breiter. Wir passieren Tekija und kommen jetzt zum Kraftwerk Eisernes Tor 1. Es gibt weiter flussabwärts noch ein zweites Kraftwerk Eisernes Tor 2 und Serbien plant sogar noch ein drittes, etwas kleineres Kraftwerk.

Die Grenze zu Rumänien ist die Donaumitte und so passierten wir die Serbische Grenze auf der einen Seite des Staudamms und die Rumänische Grenze auf der anderen Seite. Dabei gab es noch folgendes Ereignis: auf der Serbischen Seite war eine Autoschlange, wo man auf die Abfertigung der Grenzformalitäten wartete. Da wurden Fahrzeuge kontrolliert; Kofferraum auf, Gepäck überprüfen usw. Mein Rumänischer Kollege fuhr aber mit den Fahrzeug auf die Spur "Diplomaten". Ich war gerade mit Deutschen Kollegen am telefonieren; es waren auch noch zwei Franzosen im Fahrzeug. Mein Rumänischer Kollege murmelte etwas von Fiat und wichtig, und schon waren wir nach ganz knapper Sichtung der Ausweise durch die Grenzkontrolle. Auf Rumänischer Seite ging es genau so. Ich verstehe bis heute nicht, wie so etwas funktionieren kann; Schmiergeld oder Beziehungen oder ähnliches war ganz sicher nicht im Spiel. Vielleicht war die internationale Besetzung unseres Fahrzeugs ausschlaggebend.

Inzwischen war es Abend geworden und wir hatten Hunger bekommen. Der Rumänische Kollege kannte ein tolles Restaurant, die Taverna Sarbului direkt an der Donau. ich habe noch schnell zwei Fotos, diesmal von der Rumänischen Seite aus gemacht, dann ging nichts mehr weil es dunkel geworden war.

Die Weiterfahrt nach Pitesti

Der Rest unserer Fahrt war wenig spektakulär, insbesondere weil wir von der Landschaft in der Nacht auch nichts mehr gesehen haben. Wir sind dann von Drobeta Turnu Severin über Strehaia nach Filiasi, und von dort nach Craiova gefahren. Craiova ist mit 300.000 Einwohnern die größte Standt der Kleinen Walachei. Von dort ging es dann über Bals und Slatina nach Pitesti, wo wir gegen Mitternacht ankamen.

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